Ehemalige Donaufahrerinnen und Donaufahrer des Wieland-Gymnasiums Biberach paddelten kürzlich mit zwei Zillen von Königstein bis Dessau die Elbe hinunter. Nicht nur der Charakter des Flusses ist komplett anders als die Donau, auch die sprachlichen Feinheiten des Sächsischen erfuhren die ehemaligen Gymnasiasten auf kuriose Weise.
Vor der großartigen Kulisse der Festung Königstein begann die Elbefahrt unter der Leitung des ehemaligen „Donauadmirals“ Horst Buchmann. Dabei waren auch die Pioniere der ersten Donaufahrt 1970, Christiane Ehrlich und Karl Schley, sowie sogar jetzige Mentoren der Fahrt. Ein Mix aus drei Generationen stellte sich den Herausforderungen der achttägigen Wasserfahrt.
Bald passierte man bei Rathen die erste Gierfähre, die mit einem Stahlseil am rechten Ufer befestigt ist. Die Paddler mussten warten, denn die Fähre war am anderen Ufer. Deshalb hieß es „Streichen!“, das bedeutete, man musste stromaufwärts paddeln, um nicht in die Zone des Stahlseils zu geraten. Das Manöver gelang und kurz danach passierte man die „Bastei“, wo Caspar David Friedrich berühmt gewordene Motive für seine Bilder fand.
Noch ist die Elbe eingebettet in die Berghänge des Gebirges, doch bei Pirna war man schon im flacheren Elbetal angelangt. Den Booten blieb aber die Hilfe einer Strömung von ca. 8 bis 10 km/h erhalten, was das Paddeln ungemein erleichterte. Im Gegensatz zur Donau finden sich auf der Elbe keine Staustufen. Sie fließt frei und deshalb konnten die Wasserfahrer zahlreiche Vögel wie Kormorane, Reiher, Störche, Kiebitze beobachten, einmal schwamm sogar ein Biber den beiden Booten „Siggi“ und „Esperanza“ voraus.
Bei Wehlen kam den Paddlern zum ersten Mal die „Krippen“ entgegen, ein Raddampfer aus Dresden. Es stellte sich heraus, dass sehr wenige Schiffe und Boote die Elbe befuhren. Dies war scheinbar auf das Auffüllen der Stauseen in Tschechien zurückzuführen, was einen niedrigen Wasserstand der Elbe zur Folge hatte. Für die Paddler aus Biberach durchaus ein Vorteil, denn Ausweichmanöver wie auf der Donau hatten sie sehr selten.
Da die im vergangenen Jahr eingestürzte Carolabrücke in Dresden eine Durchfahrt verhinderte, mussten die Elbefahrer beim Ruderclub in Dresden aussteigen, dort die Boote neu verladen und nach Radebeul zum dortigen Ruderclub, dem SSV Planeta, fahren.
Am nächsten Tag verlangte die Einkaufsgruppe in der Bäckerei: „25 Weckle, bitte!“ Die Verkäuferin: „Sie wollen Brötchen?“ Die deutsch- deutsche Verständigung klappte.
Den Tag nutzten die Biberacher zur Erkundung von Dresden. Die berühmte Frauenkirche war ein Ziel. Um die Mittagszeit wurde eine Andacht mit einem beeindruckenden Orgelspiel gefeiert. Bei der Brühlschen Terrasse fanden die Besucher keine Carolabrücke mehr vor. Sie war schon komplett abgerissen, doch sollte die Durchfahrt erst in zwei Wochen wieder möglich sein.
Nach dem Ablegen am nächsten Tag paddelten die Zillenfahrer an den Weinbergen von Radebeul vorbei, vor Meißen sahen sie die nächsten Rebstöcke bekannter Elbweine. In Meißen waren der Dom, das Schloss und die Altstadt das Ziel.
Bald nach dem Ablegen bei Nieselregen kam kräftiger Wind von vorn. Windböen drückten kräftig gegen die Paddel. Das verlangte jetzt den vollen körperlichen Einsatz. Drei Stunden kämpfte die Besatzung der Boote gegen Regen und Wind, kurz vor der Ankunft in Riesa wurde es besser und der Sonnenschein sollte zum ständigen Begleiter werden. Torgau mit seinem Denkmal zum Aufeinandertreffen der amerikanischen und russischen Truppen im April 1945 war nach 48 Kilometern das nächste Etappenziel.
Es folgten die Lutherstadt Wittenberg mit ihrer legendären Schlosskirche, danach die Endstation Dessau. Die Mehrzahl der Teilnehmer besuchten die Meisterhäuser und das Bauhaus-Museum. Der Rest musste die Autos und den Hänger aus Radebeul nachholen. Eine achttägige, 248 Kilometer lange Paddeltour die Elbe hinunter, fand ihr Ende.
Text/Bilder: Buchmann


























