203 Kilometer mit Zille und Kajak von Hann. Münden bis Minden
Anfang August machten sich ehemalige und aktuelle Donaufahrer auf zu einer besonderen Paddeltour: Mit einer Zille und einem Zweierkajak legte die Gruppe insgesamt 203 Kilometer auf der Oberweser zurück – von Hann. Münden bis nach Minden.
Drei Generationen waren gemeinsam unterwegs. Startpunkt war dort, „wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen“ – am Weserkilometer 0 in Hann. Münden. Von dort führte die Tour bis zum Kanuclub in Minden bei Kilometer 203.
Hitze, Strömung und viel Natur
Die Paddler erwarteten heiße Tage mit Temperaturen von teilweise deutlich über 30 Grad sowie vergleichsweise kühle Nächte im Zelt. Überraschend stark war die Strömung der Weser: Trotz Niedrigwassers erreichten die Boote häufig Geschwindigkeiten von acht bis neun Kilometern pro Stunde.
Für die Zille war der niedrige Wasserstand dank ihres geringen Tiefgangs kein Problem. Motorboote und Fahrgastschiffe waren dagegen während der gesamten Woche kaum zu sehen.
Die bewaldeten Hänge entlang der Oberweser spendeten zumindest gelegentlich Schatten. Eine wirkliche Abkühlung bot der Fluss allerdings kaum: Das Wasser erreichte stellenweise Temperaturen von bis zu 29 Grad. Dafür gab es unterwegs viel zu beobachten – darunter Nilgänse, Graureiher, Enten, Uferschwalben und vereinzelt auch Störche.
Alte Kommandos schnell wieder präsent
Zu Beginn der ersten Etappe mussten sich die Zillenfahrer zunächst wieder an die bekannten Kommandos gewöhnen: „Los machen! Abstoßen! Ziehen! Streichen! Paddel lang!“ Doch schon bald saßen die Abläufe wieder.
Die erste Pause führte zum Kloster Bursfelde, das 1093 von Benediktinermönchen aus Corvey gegründet wurde. Besonders sehenswert war die romanische Klosterkirche mit ihren Fresken.
Tagesziel war anschließend Gieselwerder. Dort sorgte das örtliche Freibad für eine willkommene Abkühlung. Später wurde sogar noch das Tanzbein geschwungen: Folkloretänze aus Serbien, Ungarn, der Türkei und Griechenland standen auf dem Programm.
Auch kulinarisch war die Tour international geprägt: Während der Reise gab es Spezialitäten aus Vietnam, China, Syrien, Griechenland und Deutschland.
Über Bad Karlshafen und Höxter nach Bodenwerder
Die zweite Etappe führte zunächst nach Bad Karlshafen. Wenige Kilometer weiter konnten die Paddler den Weser Skywalk sehen. Von der rund 80 Meter hohen Aussichtsplattform beobachteten Wanderer die Biberacher auf dem Fluss.
Nach etwa 40 Kilometern erreichte die Gruppe den Wassersportverein Höxter. Kurz vor dem Tagesziel bot außerdem das Renaissanceschloss Fürstenberg eine eindrucksvolle Kulisse.
Am folgenden Morgen brachte Regen zunächst etwas Abkühlung. Danach herrschten nahezu ideale Bedingungen zum Paddeln. Nach weiteren 43 Kilometern erreichte die Gruppe Bodenwerder. Dort wurden die Paddler beim örtlichen Ruderclub ausgesprochen freundlich empfangen – eine Erfahrung, die sie bei den Kanu- und Rudervereinen entlang der gesamten Strecke immer wieder machten.
Bodenwerder ist eng mit dem berühmten Baron Münchhausen verbunden. Sein ehemaliger Stammsitz beherbergt heute ein Museum. Für einen Museumsbesuch reichte die Zeit zwar nicht, das Schloss konnten die Paddler bei einem Stadtrundgang dennoch bewundern.
„Morning has broken“ und die heißeste Etappe
Wie an jedem Morgen begann auch der nächste Tag früh: Um halb sieben weckte der „Admiral“ die Gruppe traditionell mit dem Lied „Morning has broken“. Anschließend ging es weiter in Richtung Hameln.
Dort wartete die einzige Schleuse der gesamten Tour. Bereits etwa drei Kilometer davor machte sich der Rückstau bemerkbar – ausgerechnet an einem Tag mit Temperaturen um 35 Grad. So fühlten sich selbst die vergleichsweise kurzen 23 Kilometer dieser Etappe ausgesprochen anstrengend an.
Nach einer kurzen Erholung erkundete die Gruppe die Rattenfängerstadt Hameln. Messingratten im Pflaster weisen dort den Weg zu Sehenswürdigkeiten wie der Rattenfängerskulptur und dem Rattenfängerhaus. Besonders willkommen war bei der großen Hitze eine mit Pflanzen und Sprühnebel ausgestattete Kühlstation auf dem Marktplatz.
Mit traditionellem Schleusengruß Richtung Rinteln
Am nächsten Tag begann die Etappe nach Rinteln mit der Schleusung am Wehr in Hameln. Die telefonische Anmeldung funktionierte problemlos und der Schleusenwärter begrüßte die Gruppe persönlich bei der Einfahrt.
Nach dem Öffnen des Schleusentors durfte natürlich der traditionelle Gruß nicht fehlen: „Dem freundlichen Schleusenwärter ein dreifaches Zicke Zacke Zicke Zacke – Hoi, Hoi, Hoi!“
Ankunft in Minden
Das Ziel der letzten Etappe war schließlich Minden. Dort fand an diesem Wochenende das traditionelle „Freischießen“ statt – das Schützenfest der Mindener.
Am Samstag erlebte die Gruppe noch den großen Festumzug mit Bürgerbataillonen in fantasievollen Uniformen sowie Angehörigen der am Standort vertretenen Bundeswehr.
Damit fand eine ereignisreiche Paddelwoche einen passenden Abschluss. Eine Krone erhielt zwar keiner der Biberacher – dafür aber jede Menge Eindrücke, viel Weserströmung und vermutlich auch ein gutes Stück mehr Kraft in den Armen.
Text/Bilder: H. Buchmann


























