Donaufahrt
Aktuell: Bericht in "Zeit&Welt"
Donautanzfahrt des Wieland-Gymnasiums Biberach
Jugendliche von 17 Jahren für schwäbischen und bayrischen Volkstanz zu begeistern, geht dies heute noch? Diese Frage stellte sich Horst Buchmann vom Wieland-Gymnasium Biberach zusammen mit seinem Kollegen Martin Rösler. Die 14-tägige Donaufahrt des Wieland- Gymnasiums in der 9. Klasse bietet viele Anknüpfungspunkte für kulturelle Erfahrungen, warum sollten Tänze entlang der Donau nicht gelernt werden um diesen Erfahrungsschatz zu erweitern? Deshalb wurde im vergangenen Schuljahr eine AG Donautänze im Rahmen des Ganztagsschulkonzepts des Wieland-Gymnasiums angeboten. Von den Erfahrungen darüber spricht dieser Bericht.

Gruppe in Regensburg
Wie werden wir bei unserem Auftritt ankommen? Werden überhaupt Leute da sein? Diese bangen Fragen stellten sich 17 Tänzer/-innen und Musiker der 10. Und 11. Klassen des Wieland-Gymnasiums Biberach während ihrer Donautanzfahrt, die auf zwei Zillen anfangs der großen Ferien von Donauwörth nach Passau führte. Während des Schuljahrs wurden in einer AG schwäbische und bayrische Tänze eingeübt und die Livemusik dazu einstudiert, jetzt kamen sie in Neuburg a.d. Donau zum ersten Mal vor einem unbekannten Publikum zur Aufführung.
Auf dem Schrannenplatz in Neuburg sind kaum Leute zu sehen, die Zeit um 19.00 Uhr scheint wohl ungünstig zu sein. Soll die Gruppe wieder zum Zeltplatz zurück gehen? Da drüben sind Leute im Biergarten, probieren wir es da! Wir bereiten unsere Instrumente vor, die Tanzgruppe stellt sich auf, los geht´s mit dem Schwabentanz. Unser Hut liegt noch in der Ecke, wir warten auf die Reaktionen. Applaus ertönt nach dem ersten Tanz, also machen wir weiter mit dem Winker, dem Patscher und der Sternpolka. Unser Hut macht die erste Runde, wir hören es klimpern. Beflügelt fahren wir fort mit der zweiten Runde: Lord of the Dance, Hacke Spitze, Topporzer Kreuzpolka sind die nächsten Donautänze. Lord of the Dance ein Donautanz? Schließlich wurde Kloster Weltenburg von schottisch- irischen Mönchen gegründet! Der Hut macht die Runde im Biergarten, die Leute geben freudig einen kleinen Obulus, der erste Bann ist gebrochen, wir sind erleichtert und Spaß gemacht hat es auch! Dabei hatte es am Morgen gar nicht so ausgesehen, dass wir Neuburg erreichen würden. Die Donau hatte Hochwasser und erst nach mehrmaligem Telefonieren mit der Schleusenaufsicht wurde uns grünes Licht gegeben und das Schleusen mit den Zillen wurde möglich. Einen Vorteil hatte das Hochwasser: Wir kamen sehr gut voran bei der Strömung der Donau, das hieß, wir mussten uns beim Paddeln nicht allzu sehr verausgaben, das konnten wir umso mehr beim Tanzen am Abend. Regensburgs Haidplatz ist die nächste Station, laut Prospekt einer der schönsten Plätze Süddeutschlands. Nachmittags regnet es, der Auftritt ist in Gefahr. Als wir um 17.00 Uhr in die Stadt aufbrechen, blickt die Sonne durch die Wolken. Auf dem Haidplatz füllen sich die Cafés mit Leuten, es ist wieder warm, ideale Bedingungen für unseren Auftritt! Nach den ersten Takten bleiben Passanten stehen, die Begeisterung der jungen Tänzerinnen und Tänzer steckt das Publikum an, der Auftritt wird zu einem Erfolg. Leider müssen wir wieder zum Zeltplatz zurück, schließlich muss noch gekocht und zu Abend gegessen werden. Unsere Küche haben wir dabei, die Lebensmittel kaufen wir unterwegs ein, deshalb gibt es morgens immer frische Brötchen und abends sorgt unser Kochteam für gute Laune.
Straubing ist nach einem harten Paddeltag unsere nächste Station. Um 20.00 Uhr sind zwar wenig Leute anzutreffen, doch die Musik und die Tänze locken wieder Fußgänger an und die Besucher des Hotels Gäuboden freuen sich an unseren Informationen zu den Tänzen und zum Projekt. Überhaupt finden wir heraus, dass die Zuschauer an Informationen sehr interessiert sind, vor allem dass es sich um ganz normale Schüler handelt und nicht um einen Verein, der hier traditionelle Volkstänze zum Besten gibt. Ja, gibt es so was überhaupt noch? In Deggendorf im Biergarten an der Donau treffen wir auf eine schwäbische Familie, die uns erklärt, dass sie bis nach Bayern fahren mussten, um schwäbische Tänze zu sehen.
In Vilshofen und Passau haben wir wieder Glück mit dem Wetter, kein Regen bei der Vorführung, hinterher aber gewaltige Regengüsse, die die Donau zum Anschwellen bringen, so dass wir mit Glück den Campingplatz an der Ilz in Passau erreichen. Am Tag danach wird wegen Hochwassers die Schifffahrt auf der Donau eingestellt und wir müssen mit unserem Zelt auf eine höher gelegene Wiese umziehen. Wir haben am Schlusstag der Reise Zeit, um uns Passau anzuschauen, nochmals gemütlich zusammenzusitzen und die Boote zu verladen. Eine außerordentlich spannende Reise neigt sich dem Ende entgegen. Die Schüler formulieren das Fazit der Reise im Abschlusskommentar so: „Alles in allem würden wir sagen, dass es die richtige Entscheidung war, uns für dieses Abenteuer anzumelden. Wir wussten nicht genau, was auf uns zukommen würde, doch umso mehr waren wir überrascht, wie viel Spaß und Freude uns das Zusammensein und das gemeinsame Tanzen bereitete. Diese ungewohnte Erfahrung hätten wir auf keinen Fall missen wollen.“ Diese Erfahrungen motivieren zu einer neuen Fahrt im kommenden Jahr, dann eventuell eine Donautanzfahrt von Passau nach Wien. Allerdings nicht mehr mit der Sorge, kommen wir bei unserem Auftritt an oder nicht?
Weitere Eindrücke in unserer Bildergalerie!
„Der Wasser-Weg ist das Ziel“ oder auch „Alle sitzen in einem Boot“..
Selbstständiges und verantwortungsvolles Handeln sind wichtige erzieherische Ziele des Wieland-Gymnasiums.
Ein herausragendes und prägendes Ereignis, das zur Förderung dieser wichtigen sozialen Kompetenz entscheidend beiträgt, ist die jährlich stattfindende Donau-Wasserfahrt. Nach bescheidenen Anfängen in den 70-er Jahren hat sich diese Veranstaltung über 30 Jahre hinweg zu einem Unternehmen entwickelt, an dem alle Schüler der Klassen 9 teilnehmen können. Zur Geschichte der Donaufahrt zwischen 1992 und 2007 kann man hier Näheres erfahren.
Pionierfahrt 1970
Ohne sie geht nichts...
Diese 2-wöchige Exkursion bedarf einer soliden Logistik und wäre ohne das Engagement von Kollegen, Mentoren, Schülern, Eltern letztlich also Beiträgen der gesamten Schulgemeinschaft nicht durchführbar. Federführende Vorarbeit leisten die Kollegen des Faches Sport, die mit Schwimm- und Paddeltraining sowie rettungstechnischen Anleitungen unverzichtbare Sicherheitsstandards gewährleisten.

Schülermentoren
Eine sehr wichtige Funktion nehmen auch die Schülermentoren der Klassen 10-13 ein. Sie werden aufgrund ihrer Einsatzbereitschaft und ihrer Zuverlässigkeit, die sie bereits während ihrer eigenen Donau-Fahrt bewiesen haben, ausgewählt. Sie sind Betreuer, Bootsführer, oft auch „Stimmungsmacher“ und sie leisten quasi nebenbei ein sozialpädagogisches Praktikum ab.
Hier kann das Bewerbungsdokument von Schülern, die sich vorstellen können Donaufahrt-Mentoren zu werden, heruntergeladen werden. Diese Bewerbung bitte ausdrucken und ausgefüllt im Sekretariat abgeben.
Berwerbungsfrist für die Mentoren für 2011: Nach den Herbstferien! Wir wünschen viel Glück!
Basis-Lager
Unmittelbar vor Antritt der Fahrt, üblicherweise Mitte Juni, findet das so genannte „Basis-Lager“ statt, eine Form des Eincheckens, bei dem Boote, Utensilien und Gepäck auf einen Trailer verstaut werden. Die eigentliche Wasserfahrt beginnt nach der eintägigen Bus-Anreise in Eining bei Weltenburg, kurz vor dem Donaudurchbruch. Von hier bis Wien ist man 12 Tage unterwegs - es müssen schließlich 500 Flusskilometer bewältigt werden. Obwohl flussabwärts fahrend, oft eine schweißtreibende Angelegenheit! Rückstau des Wassers, Hitze und Gegenwind fordern vollen Einsatz.
Gemeinschaft = Gemeinsam!
Nur gemeinsam gelingt diese Leistung. Dies gilt nicht nur für das Paddeln auf den schweren Holzbooten, den sog. Zillen, sondern auch für die täglichen Dienste am Übernachtungsplatz, das Aufbauen des Gemeinschaftszeltes, das Kochen und Spülen. Trotz guter Vorbereitung ist jede Fahrt ein Abenteuer, das jeden Teilnehmer am Ende mit Stolz erfüllt. Er hat seine Grenzen in körperlicher und psychischer Hinsicht kennen gelernt.

14 Tage Aufenthalt in freier Natur, Tag und Nacht, bei Sonne, Hitze, Kälte und Regen und immer zusammen mit dem Team verschaffen mit dem zwangsläufigen Verzicht auf Computer, Fernsehapparat und sonstige Unterhaltungsmedien ein Gefühl der Stärke und Befreiung. Sich rund um die Uhr auf seine Mitschüler einzustellen, sich mit ihnen arrangieren zu müssen, fördern jeden Einzelnen in seinem Sozialverhalten.

Ohne Hilfe der Mutter auszukommen, seine Kleidung in Ordnung zu halten, nicht das Lieblingsessen vorgesetzt zu bekommen, sondern selbst für das Essen einer großen Gruppe zuständig zu sein, sind wichtige Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

Fazit: Die Donaufahrt bietet jedem Schüler eine Mischung aus körperlicher Betätigung, kultureller Begegnung, sozialem Lernen und einer Fülle an Erlebnissen, die von herkömmlichen Schullandheim-Aufenthalten nicht geleistet werden kann.
"Donauführer" zum Herunterladen.
Aktuell: Donaufahrtbericht der Klasse 9a
Donaufahrt-Tagebücher einzelner Klassen (Archiv)
- Am 2011-06-27 um 13:57:18 von MAIE geändert.
- Am 2011-05-08 um 18:34:17 von MAIE geändert.
- Am 2011-04-09 um 23:23:16 von MAIE geändert.