Wieland-Gymnasium Biberach

„Mirandolina“ zeigt weibliche Raffinesse

Schwäbische Zeitung

„Mirandolina“ zeigt weibliche Raffinesse

BIBERACH - Neben dem „Diener zweier Herren“ ist die 1753 entstandene „Mirandolina“ das bedeutendste Stück des venezianischen Autors- undpromovierten Juristen Carlo Goldoni. „Schillerlocken“, dieTheatergruppe des Wieland-Gymnasiums, präsentierte diesen „Rokoko-Blockbuster“ am Freitag im Komödienhaus in einer schwungvollenInszenierung ihres Leiters Dr. Thomas Herfurth.

Mirandolina führteine kleine Herberge in Florenz. Sie ist hübsch, verführerisch,geschäftstüchtig und sehr raffiniert. Wegen ihrer Schönheit haben sichbisher alle Männer spontan in sie verliebt, auch ein verarmter Marcheseund ein neureicher Conte, aber sie lässt sich prinzipiell nicht mitGästen ein. Plötzlich nun taucht ein „Cavaliere“ auf, der mit seinerVerachtung aller „Weiber“ prahlt: „Das Weib ist für den Mann nichts alseine unerträgliche Krankheit!“ Mirandolina fühlt sich in ihrerEitelkeit gekränkt und herausgefordert. Wie sie mit Pfiffigkeit undreizvoller Weiblichkeit den Hagestolz zum glühenden Verehrer, denbärbeißigen Weiberverächter zum sanft flüsternden Verliebten macht,wird von Goldoni als ein Musterstück weiblicher Raffinesse gestaltet.Mirandolina ist am Ziel; sie bricht das Spiel ab und wird ihren Kellnerheiraten.

Goldonis Ziel war die Überwindung der Commediadell'Arte. Er brach die verhärteten Strukturen auf, verwandelte dieTypen- in eine Charakterkomödie. Zusammen mit Molière ist er derSchöpfer dieses neuen Theaterstils.

Acht Personen tragen dieHandlung, und wie natürlich bei theaterspielenden Schülern undAmateuren allgemein, sind die Begabungen höchst unterschiedlichverteilt. Das Stück über "Mirandolina" steht und fällt aber mit"Mirandolina", und da war für Thomas Herfurth und die Gruppe derGlücksfall gegeben: Evelyn Simmler ist eine stimmige und überzeugendeWirtin, eine junge Frau, die die ganze Palette verführerischerWeiblichkeit, gebremster Koketterie und subtiler Erotik abrufenkann. – In ihrem Gesicht laufen alle Stimmungsfarben ab; dieKongruenz – von Verbal- und Körpersprache – das wichtige Kriterium zuschauspielerischer Begabungsbeurteilung - ist optimal.

Rasendes „Rumpelstilzchen“

Neben dieser Kollegin hatten es dieanderen sieben nicht leicht, auch weil Herfurth wegen mangelndenJungmännerinteresses zwei von Mirandolinas Verehrern mit Mädchenbesetzen musste. Jonathan Schreijäg als cholerischer neu verliebterWeiberfeind bot eine interessante Studie, bei der er sich am Schlussals rasendes „Rumpelstilzchen“ gerieren durfte.

Nach dem vorjährigen Schillerschen „Parasit“ ist das die zweite, auf das Schönste gelungene Arbeit der „Schillerlocken“.

(Erschienen am 2. Juni 2008)

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